„Anders und doch vertraut“

Dr. Bärbel Kleindorfer-Marx sprach über Russische Klöppelspitze aus Vologda.

„Anders und doch vertraut“

Ort
Tiefenbach

Veranstalter
Gemeinde Tiefenbach

Termine
Mo, 25.03.2019

Zum Vortrag über Russische Klöppelspitze aus Vologda lud Dr. Bärbel Kleindorfer-Marx, Kulturreferentin des Landkreises Cham, in den Sitzungssaal der Alten Schule nach Tiefenbach ein. „Anders und doch vertraut“ überschreibt Frau Dr. Kleindorfer-Marx ihren Vortrag. Viele interessierte Klöpplerinnen des Klöppelkreises Tiefenbach, Schönsee und Stadlern, sowie interessierte Nicht-Klöppler waren der Einladung gefolgt. Eingestimmt wurden die Besucher mit einem Video mit traditionellem russischen Glockengeläut, einer anderen Art von „Klöppeln“. Ihre Reise führte Frau Dr. Kleindorfer-Marx ins knapp 500 km nordöstlich von Moskau gelegene Vologda. Das Spitzenklöppelmuseum dort, ist das einzige seiner Art in Russland und zählt zu den zehn meistbesuchten Museen in Russland. 250.000 Besucher fanden in den ersten fünf Jahren den Weg dorthin. Im Museum ist es auch möglich, Klöppelkurse zu besuchen. Es gibt darüber hinaus auch einen Museumsladen, in welchem die Besucher Spitze oder auch Klöppelbriefe kaufen können. Vologda galt als Hauptstadt der Spitzenklöppelei in Russland, außerdem zählen noch Butter und Leinen zu den Botschaftern der 300.000 Einwohner Stadt. Die Klöppelspitze aus Vologda erlebt eine Art Renaissance, seit Hollywoodstars und Musikerinnen ihre Garderobe um Spitzenoutfits aus Vologdaspitze ergänzt haben. Viele Produkte werden mit Spitzenklöppeleien verziert. Sogar auf eine russische Briefmarke hat es das Aushängeschild geschafft.Das Spitzenklöppeln kam durch eine Gutsherrin in die Gegend um Vologda. Es wird erzählt, dass eine Gutsherrin ihre 11jährige Leibeigene zum Erlernen des Klöppelns wegschickte und diese dann für besondere Anlässe Decken herstellen ließ. Tagsüber gingen die Leibeigenen ihrer „normalen“ Tätigkeit nach, abends und nachts erstellten sie dann wahre Kunstwerke. Da es in der Gegend um Vologda keine Industrie gab, wurde das Klöppeln von Meterware oder imposanten Decken eine Verdienstquelle. Besonders an der Spitze aus Vologda sind Schneeflocken jeglicher Art. Viele Spitzen erzählen eine Geschichte. Später wurden auch Meterspitzen mit Flugzeugen oder Fallschirmen geklöppelt. Porträts von Lenin oder Marx zieren geklöppelte Objekte. Die Klöpplerinnen unter den Gästen waren beeindruckt von den feinen Spitzenklöppelarbeiten ihrer Kolleginnen aus Russland. Es wurde geräselt, ob ein Winter für so manche Decke ausgereicht haben wird. Spitze wurden früher an der örtlichen Tracht getragen, heute schmücken sie auch mal einen Wasserspender im Hotel. Spitze wird im gesamten Ort Vologda gelebt. Alle zwei Jahre findet ein Spitzenfestival statt. Im Museum werden auch internationale Spitzenkunstwerke ausgestellt. Die Spitze aus Vologda fand ihren Weg auch schon für eine Ausstellung nach Berlin. Bei der Welt-Ausstellung 1937 in Paris erhielt die Spitze aus Vologda eine Goldmedaille. Die Geschichte des Spitzenklöppelns in der Oberpfalz ähnelt der von Vologda. Hier in der Oberpfalz gab es ebenfalls wenig Industrie, weshalb auch hier das Klöppeln ein Zubrot war. Auch die Spitze aus der Oberpfalz erhielt 1929 eine Goldauszeichnung in Barcelona, eben „Anders und doch vertraut.“Im Anschluss an den beeindruckenden Vortrag verteilte Frau Dr. Kleindorfer-Marx noch die Prospekte zum Museumstag am 19. Mai 2019. Das Klöppelmuseum Tiefenbach ist in diesem Jahr der bayerische Vertreter darin. Weiter teilte die Kulturreferentin mit, dass eine Tasche mit Klöppelspitze von Sieglinde Prögler das Plakat zum Klöppelkongress schmückt.


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