Teil der Heimatgeschichte

Gleich zwei Jubiläen zu feiern: 115 Jahre Klöppelschule Tiefenbach, 20 Jahre Museum Ehem. Klöppelschule Tiefenbach.

Teil der Heimatgeschichte

Ort
Tiefenbach

Veranstalter
Gemeinde Tiefenbach

Termine
Fr, 29.04.2022

Spitzenklöppeln ist in Tiefenbach mehr als nur eine Tradition. Es ist ein bedeutender Teil der Heimatgeschichte. Das hat dereinst auch Dr. Ludwig Spaenle festgestellt. „Ihr seid von Natur aus spitze!“, hatte der frühere Kultusminister bei seinem Besuch im Juni 2017 gesagt, als er die Tafel Immaterielles Kulturerbe überreichte.

Seitdem sind fast fünf Jahre vergangen. Jahre, in denen die alte Handwerkskunst des Spitzenklöppelns von den Klöpplerinnen weiter intensiv gepflegt und in denen die Freundschaft zur Stadt Sedlice in Tschechien weiter gefestigt wurde.

Die edle Handwerkskunst war am Wochenende Anlass für einen Festabend, gibt es doch heuer zwei Jubiläen zu feiern: 115 Jahre Klöppelschule und 20 Jahre Museum Ehemalige Klöppelschule. „Jubiläen, auf die wir stolz sein können“, sagte Bürgermeister Ludwig Prögler. Dass im Ort auch heute noch mit flinken Fingern, mit enormem Können und großer Liebe geklöppelt werde, sei in erster Linie den Damen des Klöppelkreises zu verdanken. Zusammen mit Gleichgesinnten aus Schönsee und Stadlern frönten sie ihrem Hobby – „zu eurer, aber auch zu unserer Freude“.

Dass das Spitzenklöppeln im Oberpfälzer Wald auf Bundes- und Landesebene ins Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes zu finden ist, sei für Tiefenbach eine große Ehre, sagte Prögler. Ferner erhielt es den Heimatpreis Bayern oder den Zukunftspreis des Landkreises Schwandorf. Und noch etwas zeichnet das Klöppeln in Tiefenbach aus: die Freundschaft zur tschechischen Klöppelhochburg Sedlice.

In den vergangenen Jahren wurden viele gemeinsame Projekte durchgeführt. „Wir haben unsere Freundschaft wachsen lassen“, sagte Prögler in Richtung der tschechischen Besucher bei diesem Festabend: Bürgermeister Vladimir Klima, Martina Srbova, Emilie Vrobova und Mirka Vackova. Corona habe in den vergangenen zwei Jahren ein Treffen verhindert. Umso größer sei die Freude, „dass wir uns jetzt wiedersehen“. Ein besonderes Projekt, an dem auch die Tiefenbacher Nachwuchsklöpplerinnen beteiligt waren, ist ein Märchenbaum. Martina Srbova von Spitze Sedlice stellte das Kunstwerk vor.

Beim Blick auf 115 Jahre Klöppelschule darf eine weitere Jahreszahl nicht vergessen werden: 2002 hat das kleine, aber feine Museum Ehemalige Klöppelschule seine Pforten geöffnet. Ein großer Unterstützter der Tiefenbacher Klöppeltradition war und ist Pröglers Amtsvorgänger Johann Müller. Ihm und dem damaligen Gemeinderat sei es zu verdanken, dass es das Museum gibt.

Wie’s dazu kam, hätte niemand besser erzählen können, als Müller selbst. Er erinnerte daran, dass bereits 1973 beschlossen worden war, dass die Gemeinde die Klöppelschule, das jetzige Rathaus, kauft. Damit sei der Grundstein gelegt worden. Die Eröffnung im Jahr 2002 sei der Höhepunkt langwieriger Vorbereitung gewesen. Als Glücksfall bezeichnete es Müller, dass sich Tiefenbach der Zweckvereinbarung des Landkreises Cham anschließen konnte und somit von Anfang an auf fundierte fachliche Begleitung zurückgreifen konnte. In Person von Dr. Bärbel Kleindorfer-Marx habe man eine kompetente Beraterin mit hervorragenden Ideen und guten Kontakten an der Seite. Sie war es dann auch, die den Jubiläumsvortrag hielt und schlaglichtartig die Ereignisse Revue passieren ließ.

Das Museum sei eine qualitativ hochwertige Einrichtung, keine beliebige Aneinanderreihung von Exponaten. „Ich bin stolz, dass diese Tradition weitergeführt wird“, sagte Müller. Das Museum sei ein lebendiges Beispiel dafür, wie sich Heimatgeschichte, Tradition und Gegenwart ergänzen.

Kein Museum ohne Zuschuss: Bürgermeister Prögler stellte das Förderprojekt „Update Museum“ des Bundes vor. Mit diesen Mitteln konnte in die technische Ausstattung (Kamera, Beamer, Leinwand), zwei Stelen mit Touchscreen und neue Beleuchtung fürs Museum investiert werden.

Damit die alte Handwerkskunst in Tiefenbach nicht ausstirbt, ist zum Gutteil der Klöppelkreis verantwortlich. Um aber Nachwuchs zu generieren, ist die AG Klöppeln an der Grundschule unverzichtbar. Sie gibt es seit 25 Jahren, 20 davon leitet sie Lehrerin Christine Hunger. Heuer muss die Arbeitsgemeinschaft allerdings pausieren, teilte Schulleiterin Bernadette Unverzart schweren Herzens mit. Nicht wegen zu geringer Beteiligung, sondern weil es an Lehrerstunden fehlt. Jedoch gibt es einen Lichtblick: Hunger, die Ende des Schuljahrs in Pension geht, hat sich bereit erklärt, die AG danach ehrenamtlich weiterzuführen. Diese Nachricht sorgte nicht nur beim Bürgermeister für Erleichterung. Auch Sieglinde Prögler machte aus ihrem Herzen keine Mördergrube. „Ich freue mich, dass die Zukunft des Klöppelns gesichert ist.“ Ihre Anfänge reichten bis ins Jahr 1952 zurück, als sie in die Klöppelschule eintrat. Seitdem habe sie die Leidenschaft nicht mehr losgelassen. „Klöppeln ist mein größtes Hobby“, sagte sie.

Am 15. Mai findet der Tag der offenen Tür statt: 14 Uhr Klöppelvorführungen in der Klöppelstube, 15 Uhr Modenschau unter dem Motto „Glück und Freude“ mit den Klöpplerinnen aus Sedlice im Spaßettl.

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