Insektensterben sollte alarmieren

Interessanter Vortrag bei OGV-Herbstversammlung - Lob für Kreisverkehr

Insektensterben sollte alarmieren

Ort
Tiefenbach

Veranstalter
OGV Tiefenbach

Termine
Di, 25.09.2018

Zur Herbstversammlung des OGV Tiefenbach konnte Vorsitzende Bianca Ederer in der Waldbadgaststätte Tiefenbach viele Mitglieder begrüßen. Ein besonderer Gruß galt der Referentin des Abends, Renate Mühlbauer vom Landratsamt Cham. Diese hatte einen sehr interessanten Vortrag über den Rückgang der Arten, besonders der Insekten, und was wir Gärtner dagegen tun können, mitgebracht. Seit im letzten Jahr die Untersuchung über den Rückgang der Insekten um 80 Prozent in den letzten 30 Jahren veröffentlicht wurde, wird dies breit diskutiert. Naturschützer warnen seit Jahren vor dem Rückgang der Artenvielfalt. Der Klimawandel und unsere Lebensführung begünstigen den Rückgang. Die Tiere und Pflanzen wandern von Norden nach Süden und von oben nach unten. Das bedeutet, bei uns kommen immer mehr Arten aus südlichen Ländern vor, aber zum Beispiel der Eisbär kann nicht weiter nach Norden wandern und wird ohne Hilfe bald ausgestorben sein. Genauso ergeht es vielen Arten im Hochgebirge, auch diese können nicht weiter nach „oben“ wandern. Mit unserer Lebensführung und unserem Einkaufsverhalten begünstigen wir oft auch das Artensterben. Wenn wir zum Beispiel Produkte kaufen, die das billige Palmöl enthalten, wegen dem viele Urwälder gerodet werden und immer mehr Arten deshalb verschwinden. Und was ist bei uns los? Auch bei uns schwinden die Arten. Nicht nur die Insekten, sondern auch die Vögle. 50  Prozent Rückgang bei den Singvögeln sollten uns alarmieren. Oft ist in den Großstädten die Artenvielfalt höher als bei uns auf dem Land. Die Gründe sind vielfältig. Zum einen wird durch das häufige Mähen der Wiesen und die Überdüngung der Rückgang der Arten begünstigt. Zum anderen ist es oft auch dem übertriebenen Sauberkeitswahn der Bevölkerung zuzuschreiben. In den privaten Gärten und bei den öffentlichen Grünflächen gibt es keine wirtschaftlichen Zwänge, dass z.B. alle Woche gemäht werden muss. Mühlbauer plädierte dafür, nicht mehr vom öffentlichen Grün zu sprechen, sondern vom öffentliche Bunt! Als Beispiel zeigte Sie den Tiefenbacher Kreisverkehr, den sie als sehr gelungen bezeichnet. Die Grünfläche dort ist nicht eintönig grün, sondern durchmischt von Kräutern und Blumen. Diese Entwicklung braucht allerdings Zeit und Geduld. Durch das übertriebene Sauberkeitsempfinden vieler Zeitgenossen werde der Natur diese Zeit nicht gegeben. Vor allem die Insekten brauchen für die Eiablage und zur Überwinterung die Altgrasbestände. Werden die dürren Wiesenstängel immer und überall abgemäht, dann können sich die Insekten nicht mehr vermehren. Mühlbauer plädierte dafür, vor allem in privaten Gärten und öffentlichen Flächen Altgrasbestände stehen zu lassen und erst im Frühling zu mähen. Dadurch wird den Insekten viel geholfen. Wenn man sich bewusst macht, dass ein Meisenpaar 70 Kg Insekten pro Brutsaison an die Nachkommen verfüttert, wird klar, dass es ohne Insekten keine Vögle mehr geben wird. Auch viele Schmetterlingsarten sind bedroht, da ihre Nachkommen, die Raupen, nicht genügend Futterpflanzen finden. Wenn man sich bewusst macht, dass sich z.B. vom Wegerich 48 Raupenarten ernähren, dann wird man dieses Beikraut nicht mehr achtlos ausreißen. Auch bei der Planung und Anlage von Gärten sollte man die Natur nicht außer Acht lassen. Vor allem die zurzeit modernen Kiesgärten sind ein Beispiel für die Ignoranz der Natur. Interessierte können sich von ihr und ihren Kollegen im Landradsamt beraten lassen. Es sollten bei einer Neuanlage vor allem heimische Arten gepflanzt werden. Es spricht natürlich nichts dagegen, auch mal eine exotische Pflanze zu nehmen. „Die Mischung macht‘s“, ist ihr Credo. Zum Ende plädierte Mühlbauer nochmals dafür, wo es geht, Blumenwiesen anzulegen und erst im Frühjahr zu mähen. Die Vorsitzende Bianca Ederer dankte Mühlbauer für den wunderbaren Vortrag und überreichte ihr ein kleines Präsent.


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